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Bindung und Migration
19. Internationale Bindungskonferenz
Bindung und Psychische Störungen
11. September - 13. September 2020
Bindung und Migration

Joachim Bauer

Curriculum Vitae

Univ.-Prof. Dr. Joachim Bauer (Berlin) ist Psychiater, Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Autor viel beachteter Sachbücher (u. a. „Das Gedächtnis des Körpers“, „Warum ich fühle, was du fühlst“, „Schmerzgrenze“, „Selbststeuerung“; zuletzt erschien 2019 „Wie wir werden, wer wir sind“). Für herausragende Forschung, die ihn längere Zeit auch in die USA führte, wurde er von der Deutschen Gesellschaft für Biologische Psychiatrie mit dem Organon Forschungspreis ausgezeichnet. Bauer war lange Jahre erfolgreich an der Universität Freiburg tätig. Er arbeitet jetzt als Gastprofessor, Dozent und Lehrtherapeut in Berlin.

Abstract

Für Bindung gemacht: Das menschliche Selbst - Seine Entstehung, seine Rolle als sozialer Ansprechpartner und als innerer Arzt

Die erst wenige Jahre zurückliegende Entdeckung der neuronalen Selbst-Netzwerke („Self Networks“) ermöglicht ein vertieftes Verstehen des menschlichen Selbst. Seine Entstehung verdankt das menschliche Selbst dyadischen (zweiseitigen) Begegnungen zwischen Säugling und signifikanter Bezugsperson in den ersten 18-24 Lebensmonaten. Im Rahmen dieser Begegnungen kommt es zur wechselseitigen Hervorrufung von Resonanzen. Die Grundlage dafür bildet das neuronale Resonanzsystem der Spiegelnervenzellen. Die Art, wie signifikante Bezugspersonen sich dem Säugling zuwenden, hinterlässt im Säugling eine Spur und gibt ihm eine Auskunft darüber, dass er ist und wer er ist. Die ihn vonseiten seiner Bezugspersonen erreichenden Resonanzen lassen den Säugling insbesondere spüren, ob er auf dieser Welt willkommen ist oder nicht. Dem entsprechend kommt es zur Ausbildung eines entsprechenden Selbst-Gefühls. Simultan mit der Entstehung seines Selbst bildet sich im Kind ein inneres Bild des signifikanten Du. Das menschliche Selbst ist nicht nur im Moment seiner Entstehung, sondern bleibt über die gesamte Lebensdauer hinweg ein ans Du gebundenes Selbst: Untersuchungen an Erwachsenen zeigen eine Überlappung der Netzwerke, die für das eigene Selbst und für den signifikanten Anderen (für das „Du“) kodieren. Dies erklärt Befunde, welche die Selbst-Netzwerke als einen hochsensiblen Adressaten interpersoneller Ansprachen ausweisen. Zugleich verfügen die Selbst-Netzwerke über die Möglichkeit, top-down ihnen nachgeordnete Hirnzentren zu beeinflussen, die ihrerseits biologische Stellgrößen des Körpers regulieren. Damit wird deutlich, dass die Selbst-Netzwerke als Schnittstelle zwischen sozialer Außenwelt und biologischer Innenwelt (d. h. dem eigenen Körper) fungieren. Vertiefende Literatur: Joachim Bauer, „Wie wir werden, wer wir sind“ (Blessing Verlag, 2019)