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Bindung und Migration
19. Internationale Bindungskonferenz
Bindung und Psychische Störungen
11. September - 13. September 2020
Bindung und Migration

Thomas Schnell

Curriculum Vitae

Prof. Dr. Dr. Thomas Schnell

Nach dem Studium der Psychologie in Heidelberg folgte im Jahr 2003 die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie in Bonn bis 2007. Parallel arbeitete Herr Schnell an der psychiatrischen Universitätsklinik in Köln. Neben klinisch-therapeutischer Tätigkeit war ein Schwerpunkt die Erforschung von unterschiedlichen Phänomenen der Doppeldiagnose Psychose und Sucht, wie pharmakotherapeutische Regimes, psychotherapeutische Konzepte, neurokognitiver Defizite, Craving und Konsummotivation. Diese Forschungsthemen bildeten die Basis für zwei Promotionsarbeiten an den Universitäten in Köln und Düsseldorf, sowie die Habilitation an der Universität in Halle.

Zwischen den Jahren 2008 und 2012 wurde die Arbeit an der Uniklinik nur noch halbstellig fortgesetzt, zugunsten einer weiteren halben Stelle an der Kölner LVR-Klinik, zu der die Arbeitsgruppenleiterin der Uniklinik, Frau Prof. Gouzoulis-Mayfrank, als klinische Direktorin und Chefärztin wechselte. An der LVR-Klinik war der Fokus auf therapeutische Arbeit gerichtet, insbesondere die Betreuung einer Station für Doppeldiagnosen und den Aufbau einer Traumaambulanz.

Seit 2012 ist Herr Schnell in Hamburg tätig, als Professor für klinische Psychologie an der Medical School Hamburg, einer staatlich anerkannten privaten Universität für Psychologie.

Abstract

Bindung in der kognitiven Verhaltenstherapie

Die dritte Welle der kognitiven Verhaltenstherapie ging mit verschiedenen Weiterentwicklungen einher. Gemeinsam ist den meisten dieser neueren Ansätze eine verstärkte Fokussierung auf frühe Bindungserfahrungen mit prägenden Bezugspersonen und aktuelle Bindungsmuster im Rahmen ätiologischer Störungsmodelle. Beispiele sind die Klärungsorientierte Psychotherapie oder die Schematherapie, die zunächst auf Persönlichkeitsstörungen fokussiert waren, bei denen frühe Bindungserfahrungen sehr offensichtlich ätiologisch relevant sind. Doch mittlerweile haben diese Behandlungen ihren Indikationsrahmen deutlich erweitert, und bieten Ansätze für diverse psychische Störungen an. Auch das CBASP-Konzept (Cognitive Behavioral Analyses System der Psychotherapie), ein störungsspezifischer Ansatz für Patienten mit chronischer Depression, basiert auf der ätiologischen Annahme prägender dysfunktionaler Bindungserfahrungen, die in Defiziten der Mentalisierungsfähigkeit bei den Patienten mündeten. Die Förderung der Mentalisierungsfähigkeit ist entsprechend zentrales Therapieziel dieser Behandlung, wobei die Beziehung zum Therapeuten, das sog. „disziplinierte persönliche Einlassen“ eine entscheidende Rolle spielt. Aber auch andere Konzepte der therapeutischen Beziehungsgestaltung leiten sich aus frühen Bindungserfahrungen ab, wie die sogenannte motivorientierte Beziehungsgestaltung. Dabei geht es darum, den Patienten neue Beziehungserfahrungen zu ermöglichen, die auf ihre interaktionellen Grundbedürfnisse hin ausgerichtet sind. Dadurch ermöglichte korrigierende Bindungserfahrungen können wiederum auf der Inhaltsebene der Therapie zu Veränderungen problematischer Interaktionsstile führen. Zudem wird angenommen, dass Patienten, die eine positive Beziehungserfahrung mit ihren Therapeuten erleben, eher Annäherungsschemata aktivieren, d.h. eher dazu bereit sind, auch schwierige und belastende Themen zu fokussieren.