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Bindung und Migration
17. Internationale Bindungskonferenz
Bindung und Scheidung
05. Oktober- 07. Oktober 2018
Bindung und Migration

Curriculum Vitae

Karl Heinz Brisch, Univ.-Prof. an der Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) in Salzburg, Dr. med. habil., ist Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, Neurologie. Psychoanalytiker. Ausbildung in spezieller Psychotraumatologie für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Er ist Vorstand des weltweit ersten Lehrstuhls für Early Life Care und leitet das gleichnamige Forschungsinstitut an der PMU in Salzburg.

Ebenso leitete er viele Jahre als Oberarzt die Abteilung für Pädiatrische Psychosomatik und Psychotherapie am Dr. von Haunerschen Kinderspital der Universität München.

Seine klinische Tätigkeit und sein Forschungsschwerpunkt umfassen den Bereich der frühkindlichen Entwicklung und der Psychotherapie von bindungstraumatisierten Menschen in allen Altersgruppen.

Brisch entwickelte die Präventionsprogramme “SAFE® - Sichere Ausbildung für Eltern” und “B.A.S.E® - Babywatching”.

Er ist Gründungsmitglied der Gesellschaft für Seelische Gesundheit in der Frühen Kindheit (GAIMH e. V. – German-Speaking Association for Infant Mental Health) und war dort viele Jahre lang im Vorstand.

Seit 2000 organisiert er die renommierte Internationale Bindungskonferenz. Er ist Autor viele Fachartikel und Bücher zum Thema Bindung und Trauma sowie bindungsbasierter Psychotherapie. (www.khbrisch.de).

 

Abstracts

 

Bindungstheorie auf den Punkt gebracht – eine Zusammenfassung

Als Einführung in die Konferenz werden wichtige Grundlagen der Bindungstheorie in einem Überblick auf den Punkt gebracht. Das Wissen über diese Konzepte kann für alle TeilnehmerInnen hilfreich sein, um die Vorträge aus Klinik, Forschung und Prävention besser zu verstehen und sich an der Diskussion beteiligen zu können.

 

Früh traumatisierte Geschwister in der stationären Intensiv-Psychotherapie: Besondere Herausforderungen in den Behandlungen

Wenn in einer Familie mehrere Geschwisterkinder durch Bindungspersonen oder auch andere nahestehende Erwachsene traumatisiert wurden, etwa durch Vernachlässigung, oder durch emotionale, körperliche oder sexuelle Gewalt, benötigen alle Kinder therapeutische Hilfe. Sollen diese Kinder einer Familie einzeln, nacheinander, oder sogar zeitgleich stationär behandelt werden? Sollen die notwendigen Therapien bei verschiedenen TherapeutInnen durchgeführt werden, die im Rahmen der Supervision Austausch miteinander haben? Wie wirkt sich ein womöglich von den Tätern/innen gegenüber den Kindern ausgesprochenes Schweigegebot aus, wenn sich Geschwister – unterschiedlichen Alters – gleichzeitig in stationärer Behandlung befinden? Oder ist es geradezu notwendig, Geschwister gemeinsam zeitgleich zu behandeln, weil sie sich gegenseitig in der Not - soweit sie konnten - emotional unterstützt und geschützt haben, so dass sie diesen Halt auch benötigen, wenn sie sich auf eine Therapie einlassen sollen, und daher froh sind, wenn ein Geschwisterkind zusammen mit ihnen gleichzeitig in Behandlung ist. Im Vortrag werden theoretische Überlegungen zu den unterschiedlichen Therapieansätzen sowie klinische Erfahrungen und Ergebnisse mit unterschiedlichen Settings der stationären Geschwisterbehandlung vorgestellt.

 

Bindungen zwischen Stiefgeschwistern und Stiefeltern: eine potentiell traumatische Verstrickung

Die Rolle etwa von Stiefmüttern wird in Märchen oft sehr negativ dargestellt. Wegen der zunehmenden Zahl von Patchwork-Familien sind auch immer mehr Kinder wie auch Eltern mit der Dynamik konfrontiert, eine Stiefmutter bzw. ein Stiefvater zu werden bzw. als Kind ein Stiefgeschwisterkind zu bekommen. Hierdurch sind alle Beteiligten gefordert, neue Bindungsbeziehungen mit nicht immer freiwillig ausgewählten neuen Familienmitgliedern einzugehen. Im besten Falle werden die Stiefeltern sowie Stiefgeschwister zu neuen sicheren Bindungspersonen, so dass sie einen „Gewinn“, ja sogar eine „Rettung“ für manche Kinder im Sinne einer weiteren Bindungsressource darstellen; im schlimmsten Fall sind die Beziehungen geprägt von Loyalitätskonflikten, Ablehnung, Rivalität und Neid, bis zu emotionaler Gewalt und traumatischen Erfahrungen, die eine therapeutische Hilfestellung sowohl in der Ursprungs- als auch in der Stieffamilie erfordern. Andernfalls kann es zu emotionalen Verletzungen kommen, die lebenslang negativ prägend sein könnten. Im Vortrag werden mögliche dynamischen Verstrickungen zwischen den Beteiligten Familienmitgliedern sowie therapeutische Interventionen vorgestellt.