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05. Oktober- 07. Oktober 2018
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Curriculum Vitae

Christiane Knecht blickt auf viele Berufsjahre als Gesundheits- und Krankenpflegerin in unterschiedlichen Praxisfeldern und Stationen in der Pflege zurück. Neben einer mehrjährigen Tätigkeit in der Intensivpflege unterschiedlicher Kliniken, war sie zwölf Jahre als Pflegewissenschaftlerin in einem Universitätsklinikum beschäftigt. Ihren Abschluss zur Diplom-Pflegewirtin absolvierte sie im Jahr 1999 in einem der bundesweit ersten pflegebezogenen Studiengänge an der Fachhochschule Fulda. Das Masterstudium Pflegewissenschaft folgte von 2010 bis 2013 an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar. Im Anschluss daran promovierte sie im Rahmen des BMBF geförderten kooperativen Forschungskollegs „Familiengesundheit im Lebensverlauf“ an der Universität Witten/Herdecke, in dem sie in der zweiten Förderphase als Postdoktorandin beschäftigt war. Seit Juni 2017 vertritt Christiane Knecht die Professur für Akutpflege (50%) im Department für Pflegewissenschaft an der Universität Witten/Herdecke. Seit März 2018 ist sie zusätzlich Professorin für das Lehr- und Forschungsgebiet Versorgungsstrukturen mit dem Schwerpunkt Pflege (50%) an der Evangelischen Hochschule Bochum Rheinland-Westfalen-Lippe.

Abstract

Die Geschwisterbeziehung in Familien mit einem Kind mit chronischer Erkrankung - Die Perspektive der gesunden Geschwister

Bei einer Geschwisterbeziehung handelt es sich oftmals um die längste anhaltende zwischenmenschliche Bindung im Leben. Bedeutsam ist diese prägende Sozialisationserfahrung ebenso für die Persönlichkeits- und Identitätsentwicklung. Geschwister bilden eine Einheit und treten zugleich in Konkurrenz zueinander. Während diese Merkmale die Beziehung zwischen gesunden Geschwistern charakterisieren, wandelt sich diese Bindung, wenn eines der Kinder von einer chronischen Erkrankung betroffen ist. Diese besondere Beziehung ist Gegenstand einer Grounded Theory Studie, die sich mit dem Erleben und Bewältigungshandeln aus der bislang kaum betrachteten Perspektive der gesunden Kinder beschäftigt.

24 qualitative Interviews wurden mit gesunden Geschwistern geführt, um ihre Erfahrungen interpretativ nachzuzeichnen. In einem iterativen Prozess von Erhebung und Analyse konnte so ihre geschwisterliche Sicht rekonstruiert und verdichtet werden.

Wachsen gesunde Kinder mit einem von chronischer Krankheit betroffenen Geschwisterkind auf, kommt ihnen oftmals eine nachgeordnete Rolle zu. Obgleich das familiale Geschehen auf das Kind mit der Erkrankung konzentriert ist und zwischen den Geschwistern ein disparates Kompetenzverhältnis besteht, erleben sie intensive geschwisterliche Momente. Das familiale sowie soziale Erleben der gesunden Geschwister wird wesentlich durch die chronische Erkrankung beeinflusst. Einerseits führt sie zu dieser sehr innigen Beziehung und gleichzeitig macht die Erkrankung es erforderlich, dass die gesunden Geschwister Anpassungen in Bezug auf ihr eigenes Leben vornehmen müssen. Daraus resultieren Handlungen der gesunden Geschwister, die intendieren, das eigene soziale Leben gut aufrechterhalten zu können und mit dem durch die Krankheit irritierten Familienleben in Einklang zu bringen: So suchen und bewahren sie beispielsweise eigene Schutzräume und finden Anerkennung außerhalb der Familie. Zugleich behaupten sie Normalität für ihre geschwisterliche Beziehung und sind bereit Verantwortung für das Geschwisterkind zu übernehmen, z. B. als Fürsprecher oder Spielkamerad sowie in Pflege und Therapie. In Konflikte geraten gesunde Geschwister dann, wenn sie zwischen dem eigenen Leben und dem Geschwisterkind hin- und hergerissen sind. In solchen Entscheidungssituationen ist ihre Tendenz, diese schnell zugunsten des Geschwisterkindes aufzulösen.

Das Spanungsfeld zwischen dem durch die Erkrankung beeinflussten Familienleben und der Aufrechterhaltung eigener Entwicklungsmöglichkeiten wahrzunehmen und das professionelle Handeln darauf auszurichten, ist wesentliche Aufgabe der Menschen, die in sozialen, pädagogischen und gesundheitlichen Institutionen gesunde Geschwister begleiten.