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Bindung und Migration
19. Internationale Bindungskonferenz
Bindung und Psychische Störungen
11. September - 13. September 2020
Bindung und Migration

Willkommen zur 20. Internationalen Bindungskonferenz 2021

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Trauma und Bindung zwischen
den Generationen

Vererbte Wunden und Resilienz in Therapie, Beratung und Prävention

 

 

 

 

Neue und beeindruckende Forschungsergebnisse belegen die Auswirkungen von traumatischen Erfahrungen – die gravierenden Folgen, die diese Erfahrungen für die kindliche Entwicklung und für die lebenslangen Reifungsprozesse bis in die vierte nachfolgende Generation haben.

Traumatische Erfahrungen, die Schwangere machen, können bereits die Entwicklung von Feten und Säuglingen negativ „prägen“. Stressvolle Erfahrungen während der Schwangerschaft können also nicht nur bei der Mutter, sondern auch bei ihren Kindern negative Spuren hinterlassen. Epigenetische Forschungen belegen: Umwelterfahrungen des Fetus können dazu führen, dass seine Gene ihre "Aufgabe" – aktuell oder auch auf Dauer – erfüllen oder eben nicht erfüllen können; die Gene werden dann gleichsam "abgeschaltet".. Somit können Umwelterfahrungen über die Genaktivität beeinflussen, ob und in welcher Dosis Hormone oder Botenstoffe des Gehirns gebildet werden. Auch traumatische Erfahrungen werdender Väter spielen hierbei eine große Rolle. Es gibt Hinweise, dass epigenetische Veränderungen über die männliche Keimbahn weitergegeben werden.

Traumatische Umwelt- und Beziehungserfahrungen prägen Kinder durch epigenetische Prozesse während der Schwangerschaft sowie besonders auch während der ersten drei Lebensjahre ihrer Entwicklung, im Hinblick sowohl auf die Reifung ihres Gehirns, ihre Fähigkeit zur Stressregulation als auch auf die Reaktionen ihres Immunsystems. Die Auswirkungen auf diese Kinder können „vererbt“ werden und etwa als erhöhte Infektanfälligkeit, Ängste und Schwierigkeiten in der Affektregulation sowie in Form von Beziehungsstörungen in späteren Generationen wieder auftauchen. Die Nachkommen dieser (ehemaligen) Feten/Kinder spüren die Folgen, ohne dass sie selbst Traumatisches erlebt hätten.

 

Manche Menschen entwickeln selbst nach extremen traumatischen Erlebnissen langfristig kaum oder keine Symptome. Sie zeigen eine gewisse „psychische Widerstandskraft“ (Resilienz). Welche Faktoren tragen zu dieser Resilienz bei und wie könnte sie gezielt beim Einzelnen, aber auch in unserer Gesellschaft gefördert werden? Wie müsste eine Therapie oder Beratung aussehen, welche die skizzierten Erkenntnisse über die Weitergabe von traumatischen Erlebnissen an die nachfolgenden Generationen berücksichtigt? In welcher Weise könnten neue Erfahrungen in der therapeutischen Beziehung bei Patientinnen und Patienten zur Entwicklung von Resilienz beitragen? Wann müsste eine frühzeitige Form der Prävention ansetzen und wie müsste sie aussehen, damit wir ein „traumatisches Erbe“ wirklich hinter uns lassen könnten und es uns nicht in unserem Verhalten prägt? Diese Fragen sind angesichts der vergangenen und der gegenwärtigen kriegerischen Auseinandersetzungen und aktueller Katastrophen von besonderer gesellschaftlicher Bedeutung!

 

International renommierte Forscherinnen und Forscher, Klinikerinnen und Kliniker werden Themen im Umfeld dieser Fragen behandeln, sie werden von ihren Studien und Erfahrungen berichten sowie auch Wege zur Prävention aufzeigen.

 

Die Konferenz richtet sich an alle, die im Kontext von Begleitung, Beratung und Therapie sowie von Medizin, Psychologie, Psychotherapie, Pädagogik, Sozialer Arbeit, Politik und bei Gerichten für Familien, Paare, Kinder, Jugendliche und Erwachsene tätig sind, die traumatische Erfahrungen gemacht haben. Es soll auch denjenigen wichtige Anregungen geben, die mit der Förderung von Resilienz und Prävention in diesem Zusammenhang befasst sind, damit sie dabei helfen können, dass die Folgen von traumatische Erfahrungen bewältigt werden können oder gar nicht erst entstehen.

 

Karl Heinz Brisch

Ankündigungsflyer folgt